Kultur für alle!

Zum Ende der 1970er und zum Beginn der 1980er Jahre entstanden im Westteil der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche „soziokulturelle“ Zentren. Angeregt von der Umwelt-, Anti-Atombewegung und von demokratischen Selbstverwaltungsideen entwickelte sich eine Vorstellung von einer Kultur von unten. Im Widerspruch zum bürgerlichen Kulturbegriff nach der Losung: „Dem Wahren, Guten und Schönen“ wollten die alternativen Akteure Kultur und Soziales verbinden, sich politisch gestaltend einmischen und Kultur für alle Menschen zugänglich machen.

Daraus lässt sich der Schriftzug Disharmonie erklären. Die drei Buchstaben „Dis“ stoßen die „Harmonie“ an, um diese in Bewegung zu versetzen. Grundsätzlich wollen die Soziokulturellen Häuser und Initiativen von staatlichen Einflüssen frei bleiben. Aus diesem Grund wird auch die Disharmonie vom Verein zur Förderung von Bildung und Kultur e.V. getragen, der 1983 gegründet wurde. Trotzdem stellt die Disharmonie bis heute regelmäßig einen Antrag auf öffentliche Förderung an die Stadt Schweinfurt und andere staatliche Stellen, weil der freie Träger eine Aufgabe abseits der Hochkultur übernimmt, die üblicherweise die Kommune leisten muss.

Die Eröffnung des Kulturhauses „Die Schreinerei“ 1985 markierte – nach zweijährigem Umbau der früheren Schreinerei in ehrenamtlicher Arbeit – den Beginn einer inspirierenden Reise. Die Finanzierung speiste sich aus Spenden, Veranstaltungserlösen, einem Kredit des alternativen „Netzwerk Selbsthilfe“ und einem Kredit der Brauerei, ganz ohne öffentliche Gelder. Aber bereits 1985 erhielt der Trägerverein 125.000 Deutsche Mark Programmzuschuss von der Stadt Schweinfurt.

Schon 1984, veröffentlichte die Initiative gegen das Vergessen ihr erstes Buch mit dem Titel „Nach dem Krieg war Keiner Nazi gewesen…“.

Ein weiterer Meilenstein war das Jahr 1988, als der Verein in das ehemalige Kohlenlager an der Gutermannpromenade umzog und das Gebäude in die „Kulturwerkstatt Disharmonie“ verwandelte. 1993 erfolgte der Teilausbau des Dachbodens in der Disharmonie zu einem Gruppenraum und 1997 öffnete das angebaute Café „Vielharmonie“ seine Pforten. Im gleichen Jahr fand auch die Premiere der JAM Session „Jazz am Main“ statt, die bis heute die Schweinfurter Jazzszene zusammenbringt.

Im Jahr 2003 wurde die Gruppe „Theater an der Disharmonie“ von Bernd Lemmerich ins Leben gerufen, begleitet von der ersten Comedy Lounge. 2004 gab es einen bedeutenden Aus- und Umbau, bei dem die Druckwerkstatt „WerkDruck“ eingerichtet wurde. Es folgte eine Saalvergrößerung, die Schaffung eines zweiten Veranstaltungsraums im Dachgeschoss und die Installation neuer Veranstaltungstechnik.

Die kulturelle Palette der Disharmonie erweiterte sich im November 2006 mit dem ersten Poetry Slam, der bis heute stattfindet. Im Jahr 2013 feierte die Disharmonie stolz ihr 30-jähriges Jubiläum, und blickte auf eine reiche Geschichte kreativer Entfaltung und kultureller Begegnungen zurück. Schließlich deutet das Jahr 2023 auf einen bevorstehenden Generationswechsel in der Disharmonie hin, der eine neue Ära für diesen einzigartigen Ort der Bildung und Kultur einleitet.

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